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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

Das Buch Hiob.

Kapitel 34.

Die Reden Elihus. (Fortsetzung)

1 Elihu hob sodann wieder an und sprach:
2 Hört, ihr Weisen, meine Worte,
und ihr Verständigen leiht mir euer Ohr.
3 Denn das Ohr prüft die Worte,
wie der Gaumen die Speise kostet.
4 Das Rechte wollen wir ausfindig machen,
gemeinsam erkennen, was gut ist.
5 Denn Hiob hat gesagt: "Ich bin schuldlos,
doch Gott hat mir mein Recht entzogen.
6 Trotz meines Rechtes soll ich lügen?
Mich traf ein böser Pfeil, ohne mein Verschulden."

7 Wo ist ein Mann wie Hiob,
der Lästerung wie Wasser trinkt,
8 zur Genossenschaft mit Übelthätern schreitet
und zum Umgang mit Frevlern?
9 Denn er hat gesagt: "Der Mensch hat keinen Nutzen davon,
daß er mit Gott Freundschaft hält."
10 Darum, ihr Einsichtigen, hört mir zu:
Ferne sei es, daß Gott Frevel übte,
und der Allmächtige Unrecht!
11 Nein, des Menschen Thun vergilt er ihm
und nach des Mannes Wandel läßt er's ihm ergehen.
12 Ja wahrlich, Gott handelt nicht ungerecht
und der Allmächtige beugt nicht das Recht.
13 Wer hat ihm die Erde anvertraut?
Und wer hat die ganze Welt gegründet?
14 Wenn er auf sich nur achtete,
seinen Geist und Odem an sich zöge,
15 so würde alles Fleisch miteinander vergehen,
und der Mensch würde wieder zu Staub.
16 Hast du Verstand, so höre dies,
leihe dein Ohr dem Laute meiner Worte.
17 Kann auch, wer das Recht haßt, die Zügel führen?
Oder willst du den Gerechten, Gewaltigen ins Unrecht setzen?
18 Ihn, der zum König spricht: "Du Nichtswürdiger!"
"du Gottloser" zu Edlen?
19 Der nicht Partei für Fürsten nimmt,
noch den Reichen vor dem Armen bevorzugt;
denn seiner Hände Werk sind sie alle.
20 Augenblicklich sterben sie und mitten in der Nacht:
das Volk wird aufgerüttelt, und sie fahren dahin;
und den Starken beseitigt man, ohne eine Hand zu rühren.
21 Denn seine Augen schauen auf eines jeden Wege,
und alle seine Schritte sieht er.
22 Keine Finsternis giebt's und kein so tiefes Dunkel,
da sich die Übelthäter bergen könnten.
23 Denn er braucht nicht erst auf einen Mann zu achten,
damit er vor Gott zum Gericht erscheine.
24 Er zerschmettert Starke ohne Untersuchung
und läßt andre an ihre Stelle treten.
25 Somit kennt er ihre Thaten
und stürzt sie über Nacht, und sie werden zermalmt.
26 Ihre Missethat geißelt er,
da, wo alle es sehen,
27 darum, weil sie von ihm abgefallen sind
und alle seine Wege außer acht gelassen haben,
28 damit sie das Geschrei des Armen vor ihn brächten,
und er das Schreien der Elenden hörte.
29 Und wenn er Ruhe schafft, wer will ihn verurteilen?
Wenn er das Antlitz verbirgt, wer kann ihn schauen?
Und dennoch wacht er über Volk und Menschen,
30 daß nicht ein ruchloser Mensch herrsche,
nicht Fallstricke des Volks.
31 Denn hat man etwa zu Gotte gesagt:
"Ich trage, will nicht Übles thun!
32 "Über das, was ich nicht sehe, belehre du mich;
wenn ich Unrecht gethan habe, will ich's nicht wieder thun".
33 Soll er es nach deinem Sinne vergelten, weil du verschmähst?
Denn du mußt bestimmen und nicht ich!
Und was du weißt sprich aus!
34 Einsichtige Leute werden mir sagen,
und ein weiser Mann, der mir zuhört:
35 "Hiob redet ohne Einsicht,
und seine Worte sind ohne Überlegung."
36 O, möchte doch Hiob fort und fort geprüft werden
wegen seiner Einwände nach Sünderart!
37 Denn zu seiner Sünde fügt er Frevel;
in unserer Mitte höhnt er und macht viel Redens gegen Gott.